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Warum die „Umwelt“ gerade ihre grünen Kinder frisst

3. Oktober 2025

Es mutet paradox an, aber der „Klimawandel“ wird gerade zur existenziellen Bedrohung für die Partei, die ihn zu ihrem Markenkern gemacht hat. Bündnis 90/Die Grünen, angetreten, um die ökologische Transformation zu gestalten, werden von ihrer eigenen Mission aufgefressen. Ihr historisches Alleinstellungsmerkmal ist zu ihrer Achillesferse geworden, und in die Wunde, die sie hinterlassen, stößt eine wiedererstarkte, von Sarah Wagenknecht befreite, Linke mit einer einfachen Botschaft: Wer sich um das Ende des Monats sorgt, hat keine Zeit für das Ende der Welt.

Als aus Verheißung der Heizungs-Hammer wurde

Der Moment, in dem die grüne Erzählung vom klimaneutralen Wohlstand zerbrach, hat einen Namen: das Gebäudeenergiegesetz (GEG). Technokratisch betrachtet war es ein notwendiger, logischer Schritt, um die Klimaziele im Gebäudesektor zu erreichen – einem der größten CO₂-Verursacher des Landes. Das Gesetz, das langfristige Planungssicherheit schaffen und die Bürger vor den unweigerlich steigenden Preisen für fossile Energien schützen sollte, das eigentlich sogar als Schutzschild konzipiert war, wurde, befeuert von einer unerbittlichen Kampagne politischer Gegner und Boulevardmedien, zum „Heizhammer“, weckte jede Menge Ängste. Die Grünen verloren die kommunikative Schlacht, bevor sie überhaupt begonnen hatte.

Sie scheiterten daran, eine komplexe, langfristige Notwendigkeit in die unmittelbare Lebensrealität der Menschen zu übersetzen. Stattdessen wurde das Gesetz als übergriffiger Akt einer abgehobenen Elite empfunden, die den Bürgern vorschreiben will, wie sie zu leben – und zu heizen – haben. Das GEG-Debakel legte die strategischen und taktischen Defizite der Grünen schonungslos offen: Ihre Politik wird als individuelle Bevormundung und Bedrohung wahrgenommen, nicht als kollektive Investition in die Zukunft. Sie hatten mit warnenden Worten den Planeten im Blick, aber die Menschen die Kosten für die neue Wärmepumpe und die Dämmung.

Als der Traktor die grüne Agenda überrollte

Wenn das GEG der Sündenfall war, dann waren die Bauernproteste das Fanal, das die Entfremdung zwischen den Grünen und Teilen der Bevölkerung sichtbar machte. Ausgelöst durch die geplante Streichung von Agrardiesel-Subventionen, kanalisierten die Proteste einen viel tiefer liegenden Frust. Die Bilder von Traktoren vor dem Brandenburger Tor wurden zum Symbol eines Kulturkampfes: das Land gegen die Stadt, die Praktiker gegen die Theoretiker, die hart Arbeitenden gegen die Berliner Politikblase. Und im Zentrum dieser Wahrnehmung standen die Grünen als Inbegriff einer als realitätsfern empfundenen Politik.

Die Proteste genossen viel Zustimmung und zementierten ein verheerendes Narrativ: Grüne Politik ist teuer, sie bevormundet und sie geht auf Kosten derer, die den Lebensunterhalt des Landes erwirtschaften. Das schwer zu überwindende Image der Grünen seitdem: Eine Premiummarke für Gutbetuchte, die es sich leisten können, aber nichts für die Mehrheit.

Warum Die Linke auf der Überholspur ist

Genau davon profitiert jetzt Die Linke. Während die Grünen noch Ursachenforschung betreiben, reüssiert Die Linke mit der sozialen Frage, nicht visionär und abstrakt, sondern konkret und unmittelbar: Mietendeckel, Preiskontrollen, höhere Mindestlöhne.

Sie besetzt zugleich die Schwachstellen der grünen Politik, brandmarkt das GEG als sozial ungerecht und gibt sich als einzige wahre Anwältin der Geringverdiener und Mieter. Sie betreibt Klassenkampf - neu verföhnt und getiktokt. Deshalb ist der Wiederaufstieg der Linken – befreit von den Putin-Verstehern Sarah Wagenknecht und ihren Vasallen – auch die logische Konsequenz aus dem Versäumnis der Grünen, eine überzeugende Antwort auf die wirtschaftlichen und sozialen Ängste im Land zu suchen und zu finden.

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