Der Archetyp Alphamännchen
Dabei ist Wolfgang Grupp kein Einzelschicksal, sondern ein geradezu ideales Beispiel für viele klassische Alphamännchen, wobei „Alphamännchen“ – ein Begriff aus der Verhaltensbiologie – heute weniger den stärksten Affen im Dschungel beschreibt als vielmehr eine soziale Führungsrolle. Es ist der Archetyp des Anführers in Politik, Wirtschaft oder Sport, ein Mann, der durch einen unbedingten Willen zur Macht gekennzeichnet ist. Er dominiert Gespräche und Entscheidungen und strahlt eine Aura der Unbesiegbarkeit aus. Doch diese äußere Fassade ruht oft auf einem prekären Fundament: der vollständigen Verschmelzung von Selbst und Funktion. Fällt dies weg, was bleibt dann? Leere, Stille, Langeweile? In diesen Symptomen zeigt sich eine Krise der Identität, der „Konstruktionsfehler“ bei vielen Alphamännchen, Politikern, Wirtschaftsbossen, Spitzensportlern, Prominenten: Die Rolle ist ihr Selbst. Schwindet die Rolle, bricht es.




