Über Leid. Über Trauer. Über die Unmöglichkeit des Vergessens. Und über den Willen, trotzdem in Würde zu leben – ohne Vorurteile und Hass
In der Nacht des 16. Oktober 1996 wurde in einem Hinterhaus der Markgrafenstraße 41 in Karlsruhe ein Feuer gelegt. Dabei kamen Fethiye und Alahattin Yilmaz sowie Hüseyin Evcim ums Leben. Der Brandanschlag wurde bis heute nicht aufgeklärt.
Dreißig Jahre später fragt dieser Dokumentarfilm nach: Wie lebt es sich mit dem Trauma eines Brandanschlags für den es bis heute keine Gerechtigkeit gibt? Wie wird der Schmerz weitergegeben — von Eltern auf Kinder, von einer Generation auf die nächste?
Im Zentrum stehen fünf Frauen und zwei Männer — Damla, Elvin, Fatma, Selma, Aynur, Kenan und Ergün — deren Existenz von den Ereignissen jener Nacht gezeichnet ist und die trotzdem fest entschlossen sind, ein Leben in Würde und ohne Hass zu führen - hier in Deutschland.
Ein Anschlag. Drei Tote. Kein Täter.
Dreißig Jahre Stille — und eine Familie, die nicht vergessen kann.

... wollte in jener Nacht unbedingt bei den Großeltern schlafen, durfte aber nicht. Sie hat schon als kleines Kind erfahren, was Verlust bedeutet. Sie ist ihren Eltern dankbar, dass sie sie nicht mit rassistischen Gedanken erzogen haben.

... war als kleines Kind viel bei den Großeltern und hat sie als sehr warmherzig erlebt. Für sie ist die Erinnerung an sie sehr positiv besetzt - trotz allem. Inzwischen hat sie selbst Kinder und versucht, nichts vom Trauma des Anschlags an sie weiterzugeben

... hat mehrere Jahre in der Markgrafenstr. 41 gelebt - zusammen mit den Schwiegereltern. Es habe damals nie Reibereien gegeben und sie war sehr glücklich. Seit 1996 ist sie sehr darauf bedacht, die Familie zusammenzuhalten. Sie sorgt dafür dass der Anschlag nicht alles beherrscht.

... als Schwiegertochter habe sie die Eltern ihres Mannes erst in Deutschland richtig kennengelernt und lieben gelernt. Noch in der Brandnacht war der Schwiegervater bei ihnen gewesen. Von ihrem Schmerz spricht sie eher nicht, aber von schlaflosen Nächten und von der Angst um die Kinder.

... als Tochter von Fethiye und Alahittin Yilmaz ist sie davon überzeugt, dass es auf jeden Fall ein rassistisch motivierter Anschlag war - in einer Zeit mit vielen Anschlägen in Deutschland gegen Türkinnen und Türken.

... als jüngster Sohn von Fethiye und Alahittin Yilmaz war er nach dem Anschlag 16 Jahre lang voller Trauer und Schwermut — bis seine Tochter zur Welt kam. Aber auch danach ging es für ihn nur noch bergab - zumindest gefühlt. Er kann einfach nicht darüber hinwegkommen

... als ältester Sohn erinnert er sich besonders an die Gespräche mit dem Vater. Dem sei es sehr wichtig gewesen, dass die Kinder anständig leben und in der deutschen Gesellschaft nichts falsch machen. Nach dem Anschlag habe er sechs Monate lang Medikamente nehmen müssen. Vergessen könne er den Vater nicht.

...erwartete eine amtliche Pflicht bei der Einweihung der Stele. Dann standen die Nachkommen der Opfer vor ihm, und plötzlich ergriff ihn die tiefe Trauer einer ganzen Familie - über Generationen hinweg. Es hat mich sehr berührt, sagt er.

... trat vor 3 Jahren sein Amt als türkischer Generalkosul für Baden an und stieß schnell auf eine Tat, von der niemand mehr sprach. Kein Denkmal, keine Gedenkfeier – als wäre nie etwas geschehen. Was eine ganze Stadt vergessen hatte, fand er wieder.

... sammelt und dokumentiert - aus beruflicher und persönlicher Überzeugung - was in den Regalen der DokRex des Landesarchivs lagert. Genau das, was eine Gesellschaft am liebsten verdrängt. Ohne Erinnerung, sagt er, vergisst eine Demokratie, wie verletzlich sie ist.

... vermutete 1996 sofort einen rechtsradikalen Anschlag - nach den Ereignissen von Mölln und Solingen. Er kritisiert die Einseitigkeit der Polizei, die ganz schnell bekannt gab, dass "keine Hinweise auf Fremdeinwirkung" vorlägen - als kaum ermittelt worden war.

... sieht es kritisch, dass es 1999 nur eine kleine Notiz gab, als das Verfahren ungeklärt eingestellt wurde. Man hätte damals größer darauf eingehen müssen, verbunden mit der Frage, ob nicht doch noch weitere Ermittlungen möglich sind.
Ich wollte an diesem Tag unbedingt bei meinen Großeltern übernachten. Aber meine Mama hat darauf bestanden, dass ich nicht dort schlafe - wegen der Schule.
Im einstigen Hinterhaus der Markgrafenstraße 41 starben bei einem Brandanschlag in der Nacht des 16. Oktober 1996 gegen 4:00 Uhr das Ehepaar Fethiye und Alahittin Yilmaz und Hüseyin Evcim.
Das Verbrechen wurde nie aufgeklärt.
Die Toten bleiben unvergessen.
Karlsruhe im Januar 2026
Presseinformation, hochauflösende Fotos und Plakatmotiv zum Download. Für Interviewanfragen und Vorführungen wenden Sie sich bitte direkt an die Produktion.
Bildnachweis: © bockstal.de / Walter L. Brähler · Rückfragen an walter.braehler@bockstal.de
Langjähriger TV-Journalist für ARD, ARTE, SWR und die Deutsche Welle. Korrespondent in Mexiko, Lateinamerika und häufig in Nahost tätig. Produziert Dokumentarfilme, Imagefilme und journalistischen Content mit einem Grundsatz: Nur ehrliche Medien wirken nachhaltig.
"Markgrafenstraße 41" ist ein persönliches Projekt — entstanden aus der Überzeugung, dass bewahrte Erinnerung eine Form von Gerechtigkeit ist, wenn schon die juristische ausbleibt.
Ort: Generallandesarchiv mit DokRex
Nördl. Hildapromenade 3 in 76133 Karlsruhe
Zeit: 18 Uhr
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